Wenn das Scheitern schön wird.

NEW BUSINESS - NR. 7/8, JULI/AUGUST 2023
Im Labor für schönes Scheitern wird damit experimentiert, wie man einen neuen, spielerischen Zugang zum unvermeidbaren „Scheitern“ in einer unkontrollierbaren Welt findet. © Nikolaus Kurnik

Scheitern gehört zum Leben. Es muss aber nicht automatisch weh tun. Im Labor für schönes Scheitern kann man den gelassenen Umgang mit den Herausforderungen des Lebens lernen.

Scheitern – ein Wort, das oft mit Scham, Misserfolg und Niederlage assoziiert wird. In unserer Gesellschaft, die von hohen Ansprüchen und dem Drang nach Perfektion geprägt ist, wird das Thema Scheitern oft gemieden oder gar tabuisiert. Während Erfolg und Beständigkeit in der österreichischen Kultur hoch geschätzt werden, wird das Scheitern oft als persönlicher Makel betrachtet. Fehler werden als Versagen interpretiert und mit negativen Konsequenzen wie Rufschädigung oder beruflichem Abstieg in Verbindung gebracht. Diese stigmatisierte Einstellung zum Scheitern kann jedoch dazu führen, dass Menschen ihre innovativen Ideen nicht verwirklichen, keine Risiken eingehen und damit auch Chancen verpassen. 

Willkommen im Labor für schönes Scheitern 
Wie können wir aber Störungen, Verluste und das Misslingen annehmen und in unserem (Arbeits-) Leben willkommen heißen und anfangen, „Scheitern“ auch als eine schöne Erfahrung zu erleben? Felicia Fuchs, systemische Beraterin und Coach und seit 2016 Unternehmerin, hat sich diese und weitere Fragen im Zusammenhang mit Scheitern vor vier Jahren selbst sehr intensiv gestellt. Überfordert, verunsichert und am Rande eines Burn-outs war für sie klar, dass sie an ihrem eigenen Zugang etwas ändern musste.

Sie beschäftigte sich intensiv mit Methoden der Business Improvisation, Achtsamkeit sowie positiven Psychologie und entwickelte in Kombination mit ihrem Wissen aus der systemischen Beratung das Labor für schönes Scheitern. „Das Labor für schönes Scheitern ist aus meinem persönlichen Bedürfnis nach einem anderen Zugang entstanden: Statt vieles kontrollieren zu wollen, auch mal locker mit Unvorhersehbarem umzugehen, Fehler und Scheitern zuzulassen und die Widersprüche, die in unserer Welt aktuell mehr denn je zu bestehen scheinen, leichter zu integrieren“, erzählt Felicia Fuchs.

Neuer Umgang mit Unvorhersehbarem 
Im Labor für schönes Scheitern wird damit experimentiert, wie man einen neuen, spielerischen Zugang zum unvermeidbaren „Scheitern“ in einer unkontrollierbaren Welt zu finden. Dabei wird mit angewandter Improvisation gearbeitet, um „schön zu scheitern“ und die Chancen des Unvorhersehbaren zu erkennen und für neue Entwicklung zu nutzen.

Improvisation zu beherrschen – also mit dem arbeiten zu können, was da ist, und aus allem etwas machen zu können – bietet den Vorteil, dass man auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig bleibt und ist damit einer der wichtigsten Schlüssel zur Steigerung der persönlichen Resilienz. Das „schöne Scheitern“ birgt die Chance – mit der entsprechenden Perspektive, Einstellung und praktischen Werkzeugen –, Störungen, Verluste und Misslingen als eine Zeit des Wachstums, der Entwicklung und der Erneuerung zu nutzen. 

Das Labor für schönes Scheitern ermöglicht einen neuen Umgang mit Unvorhersehbarem und Widersprüchlichem. Dabei wird ein höheres Maß an sogenannter Ambiguitätstoleranz (=Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen) entwickelt. So sollen Unsicherheiten besser angenommen und bewältigt werden, selbst wenn Dinge nicht nach Plan laufen. Im Fokus des Labors für schönes Scheitern stehen ein agil(er)es Mindset, Resilienz und ein unkonventionellerer Zugang zum Thema Lernen und persönliche sowie unternehmerische Weiterentwicklung.

Das Konzept der Leichtigkeit und Freude statt Kopflastigkeit und Kontrolle hat bereits Unternehmen und Institutionen wie Verbund, Delta Bau, Frauendomäne, die Teilnehmer:innen am Europäischen Forum Alpbach 2019 sowie der munich creative business week 2023 und zahlreiche Privatpersonen begeistern können. 

So geht’s
In drei Modulen erarbeiten die Labor-Teilnehmer:innen eine neue Haltung zum Scheitern. Dabei fokussieren die ersten beiden Module auf die persönliche Weiterentwicklung, im dritten (für Unternehmen individualisierten) Modul liegt der Fokus auf der unternehmens­internen Weiterentwicklung im Bereich Fehler- und Lernkultur. 

Das Labor, das mit viel Leichtigkeit und Freude erlebt wird, steht dabei stets unter dem Motto: Schön g’scheiter(t). Der nächste Termin des zweitägigen Seminars ist am 19. und 20. Oktober im Seminarraum des Donati-Gartens in Tullnerbach/Pressbaum. (BS)