Es rappelt in der Kiste

NEW BUSINESS Guides - AUTOMATION GUIDE 2022
Eva Schönleitner hat schon immer ihren Blick nach vorn und oben gerichtet, egal ob im Beruf oder privat beim passionierten Bergsteigen. © RNF

CrateDB ist eine Datenbank, die in Dornbirn ursprünglich mit dem IIoT und dessen Flut an Maschinendaten im Blick entwickelt wurde. Doch ­heute finden sich unzählige weitere Anwendungsfälle ...

... für das hoch­performante und ausfallsichere System.

Das Unternehmen Crate.io („crate“ bedeutet übersetzt Kiste) wurde 2013 in Dornbirn gegründet und operiert weltweit mit Niederlassungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. Sein Produkt heißt CrateDB und ist ein verteiltes Datenbank­system, das darauf ausgelegt ist, sehr große Datenmengen schnell zu speichern und zu verarbeiten. Das prädestiniert es geradezu für die Anwendung im Industrial IoT (IIoT), in smarten Fabriken und im Kontext von Industrie 4.0.

Seit 2020 ist die geborene Gmundnerin und aktuell in der Schweiz lebende Eva Schönleitner, die seit mehr als 20 Jahren international in den Bereichen Technologie und Industrie tätig ist, als CEO an Bord des Unternehmens. Nach Stationen bei globalen Technologiefirmen wie Microsoft und VMware sowie den Unternehmensberatungsfirmen Deloitte und IBM in der USA war Schönleitner zuletzt mehrere Jahre lang Leiterin der digitalen Partnerschaften beim globalen Industrieunternehmen ABB.

Aktuell steht bei Crate.io Wachstum auf dem Programm. In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Wert des Start-ups aus Vorarlberg bereits verdreifacht, und man kann auf immer mehr Kunden, vor allem in Europa und den USA, verweisen. NEW BUSINESS traf sich mit CEO Eva Schönleitner in Wien zum Gespräch über neue Produkte, bekannte Stärken und große Ziele.

Frau Schönleitner, was war ausschlaggebend dafür, dass Sie das Angebot von Crate.io, CEO zu werden, angenommen haben?
Die Technologie und dass sie jemanden gesucht haben, um das Unternehmen als globale Tech-Firma zu skalieren. Die Firma in Richtung dieses Wachstums zu leiten – genau das, worin ich Erfahrung habe –, hat genau auf mich gepasst. Und dann noch in Kombination mit dem Standort in Vorarlberg, der nur etwas mehr als eine Stunde von meinem Zuhause in der Schweiz entfernt liegt. Das war wirklich ein Zufall.

Wie man liest, hat Crate.io das Ziel, ein Unicorn, also ein Start-up mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde Dollar, zu werden. dann soll wahrscheinlich ein Exit folgen, oder?
Wir werden sehen. Der Markt hat sich in Richtung Digitalisierung entwickelt. Ganz eindeutig könnte Crate.io ein Unicorn werden. Ich bin in dieser Sache pragmatisch. Im Endeffekt geht es um das Marktwachstum. Wenn das läuft, wie geplant, gibt es keinen Grund, zu verkaufen. Warum sollte man den Wert der Firma nicht vermehren? Nur wegen des Geldes kann man sich nicht jahrelang für etwas einsetzen, man braucht auch Leidenschaft für das Produkt und die Lösung. Wenn wir aber sehen, dass mehr Wachstum möglich wäre, wenn man mit einem anderen Unternehmen zusammenarbeitet, dann schauen wir uns auch das an. 

Es ist gerade die richtige Zeit für eine verteilte, skalierbare Datenbank, mit Themen wie IIoT, Industrie 4.0, Smart Factory et cetera. Die Aussichten für Crate.io sind gut, oder?
Wirklich sehr gut! Der Grund, warum ich vom Unicorn spreche, ist, weil die Datenbank initial in Dornbirn zwar mit der Idee der Industrialisierung und den dortigen Industriekunden im Hintergrund entstanden ist. Der erste Fokus waren IIoT, Manufacturing, Logistics und Supply-Chain. In diesem IIoT-Bereich haben wir etliche Kunden. Aber wir haben auch andere, wie zum Beispiel McAfee. Die setzen unsere Datenbank für ihre Cybersecurity-Lösung ein.

Ein anderes Beispiel ist Bitmovin, ein größeres Start-up für Streaming-Video-Analysen aus Kärnten, das unsere Datenbank für seine Realtime-Analysen verwendet. Wir haben darüber nachgedacht, ob das Ausreißer sind, oder ob es ein Marktpotenzial ist, und haben sehr schnell erkannt, dass wir viel größeres Potenzial haben. CrateDB ist eine horizontale Datenbank mit sehr vielen Anwendungsfällen, nicht nur IIoT und Manufacturing, sondern auch Transportation, E-Mobility, Energy – alles, was mit „Smart“ anfängt. Dort braucht man diese unstrukturierten Sensordaten, Bilder, Videos, Geo-Locations und will meistens sehr schnell etwas analysieren. Auch für den Versicherungsbereich oder MedTech ist das interessant. Das hat eine extreme Breite. 

Aus der Historie des Co-Gründers Christian Lutz, der ja ganz ursprünglich aus dem Maschinenbau kommt, ist die anfängliche Ausrichtung sehr nachvollziehbar. Aber Daten und ihre rasche Analyse sind heute natürlich das Kernstück jedes disruptiven Unternehmens.
Genau. Es kommt eine ganze Welle von neuen Technologien auf uns zu, für genau diese Daten-Use-Cases – Cloud, Edge, Security, Governance, Machine-Learning, Analytics. Es entsteht ein ganz neuer, riesiger Markt. Deswegen stehen wir jetzt an genau dem richtigen Punkt. Es gibt natürlich ein paar Mitbewerber. Die meisten sitzen in den USA und agieren so, wie man es von US-Firmen kennt. So, in dieser Größenordnung, müssen wir auch handeln. Wir sind auch eine amerikanische Firma, aber mit europäischem Flair.

Also eine Flucht nach vorn?
Proaktives, aggressives Wachstum. Nichts hält uns zurück.

Können Sie kurz zusammenfassen, was CrateDB ist? Wofür ist es gedacht?
CrateDB ist eine Datenbank für die Digitalisierung, um die vielen neu entstehenden Daten sehr schnell analysieren zu können und rasch einen Mehrwert daraus generieren zu können.

Was ist der Unterschied zu anderen Datenbanken, wie Hadoop, MongoDB und wie sie alle heißen mögen?
Erstens kann man diese neuen, unstrukturierten Daten – Sensordaten, Videos, Bilder, Geo-Location – und strukturierte Daten, sprich Zahlen, in einer Datenbank haben. Das bieten andere nicht. CrateDB hat außerdem ein SQL-Frontend. Alle, die traditionelle Datenbanken auf SQL-Basis kennen, können damit sofort arbeiten und müssen keine neue Sprache lernen. Aber was CrateDB wirklich ist: Es ist ein Daten-Hub, in dem man alle diese Daten in großen Mengen speichern, verarbeiten – für alle Use-Cases einer Firma – und dann sehr schnell in Echtzeit oder nahezu Echtzeit analysieren kann. Das ist der Unterschied.

Viele Daten kann man auch in einem Data-Lake oder einem Data-Warehouse haben, aber dann nicht sehr schnell verarbeiten. Andere Systeme arbeiten mit Echtzeitdaten und sind gut, wenn man schnell ein bisschen was analysieren will, aber sie skalieren nicht und gehen dann in die Knie. Unsere Vorteile sind die gemischten Daten, unsere hohe Performance und die leichte Anwendbarkeit.

Dazu kommt noch die Ausfallsicherheit durch die verteilten Nodes.
Die technische Shared-Nothing-Architecture ist extrem wichtig. Was es nicht ist, ist eine transaktionale Datenbank. Deswegen ist CrateCB nicht geeignet, um zum Beispiel ein Finanz­system zu managen. Jeder Node ist gleich. So erreichen wir Redundanz und Skalierbarkeit. Wenn ein Node ausfällt, macht das nichts, weil man nichts verliert. Die Daten sind auf den anderen Nodes repliziert.

Außerdem sind wir komplett Open Source. Unterliegend sind wir auf Apache Lucene aufgebaut, die genau diese Shared-Nothing-Architecture darstellt, mit einer Variante der starken Suchmaschine Elasticsearch und einem SQL-Frontend – und natürlich einem Haufen eigener IP (Anm.: Intellectual Property; geistiges Eigentum). Diese Kombination erzeugt unsere hohe Performanz, die man mit den Nodes hochskalieren kann.

Co-Gründer Christian Lutz hat es Einmal mit einem Motor verglichen, den man einfach austauschen und an dieselbe Kupplung montieren kann. Man kann CrateDB also auch nutzen, um sehr viele Daten zu speichern, selbst wenn man noch nicht weiß, was man damit anstellen will. Auf den Daten aufbauend kann man sich dann Use-Cases überlegen, sehe ich das richtig?
Ich habe mit vielen dieser neuen Heads of Data in den Firmen gesprochen. Was sie alle brauchen, ist eine Datenstrategie. Fast alle suchen sich ein Set an Tools – Cloud, Edge, Datenbank, Analytics-Tools, Visualisierung, Security, Governance usw. – und geben das an die User in allen Abteilungen, damit sie damit sicher arbeiten können. Die Datenbank ist sozusagen der Motor dieses Sets.

Unser Motor ist so wachstumsbereit, dass man damit alle diese neuen Use-Cases in allen Abteilungen abdecken kann. Das macht auch das Management der IT einfacher. Alle sind in demselben, gesicherten, hochskalierbaren Framework. Wenn ein Team einen neuen Anwendungsfall hat, kann man ihn einfach hinzufügen. Die Lösung wächst mit, ist preislich konkurrenzfähig und skaliert für alle Arten von Use-Cases.

Und worum geht es bei Ihrem neuen Produkt CrateOM? Setzt es auf ­CrateDB auf?
Crate.io ist als Datenbankfirma gewachsen. Einer unserer langjährigen Kunden ist die Firma Alpla, ein globales Unternehmen für Verpackungslösungen aus Kunststoff aus Vorarlberg. Sie haben vor Jahren bereits mit Smart-Factory-Ideen und -Piloten begonnen. Eine Idee war, für die Mitarbeiter eine Applikation am Handy zu entwickeln, um eine Fabrik smart zu managen. Das war schon erfolgreich in etlichen Werken im Einsatz, als sie draufgekommen sind, dass das stark in die Produktentwicklung geht und sie eigentlich ein Manufacturer sind. Deswegen wollten sie das outsourcen.

Außerdem haben sie erkannt, dass das nicht nur ein internes Projekt ist, sondern dass es dafür einen Markt geben könnte. Sie haben also jemanden gesucht, der die IP übernehmen kann, dann die Weiterentwicklung tätigt, um für Alpla selber zur Verwendung zu stehen und ultimativ auch für andere Kunden. 2019 wurde die Crate dann Entwicklungspartner für Alpla, und wir haben die Software übernommen. Bei Alpla heißt die Applikation der „Digital Friend“ des Arbeiters und wird derzeit in circa 20 Werken global eingesetzt. Wir haben das global skaliert, funktional verbessert und von einem Piloten in ein Produkt verwandelt. Das wird jetzt an allen 180 Standorten von Alpla ausgerollt.

Dieses Projekt ist ein bisschen Ihr „Baby“, oder? Sie sprechen mit Begeisterung davon.
Die Entwicklung war in vollem Gange, als ich zur Crate gestoßen bin. Eine meiner ersten Aufgaben war, einen langfristigen strategischen Plan für dieses Projekt zu definieren. Es ist ja eine Applikation, die auf die Datenbank aufgesetzt ist, aber mit einem breiten Spektrum weiterer Funktionalitäten. Mir war klar, dass das top-notch ist, als Teil einer Smart Factory oder für das neue Thema Industrie 5.0, ein worker-centric guide und aid, um eine Fabrik zu managen.

In den letzten anderthalb Jahren haben wir daran gearbeitet, um es zum Produkt zu machen und andererseits bei Alpla skalierbar zu implementieren. Ende letzten Jahres haben wir die Applikation als CrateOM im Markt eingeführt und sind seitdem in einem Early-Adopter-Programm. Ich will, dass wir als Erstes intensiv auf neue Kundenanforderungen eingehen können, besonders, da wir im Sommer ein großes Usability-Update planen.

Und was kann CrateOM jetzt genau?
Das „OM“ kommt von Operations-Management. Es ist eine Applikation auf dem Handy, die die täglichen Workflows und Tasks der Mitarbeiter in den Werken enthält. Das geht dann in das Operations-Log der Firma, für die Qualitätskontrolle. Wenn man keine Zeit für einen Task hat, kann man ihn an einen Kollegen übergeben. Das alles ist verbunden ist mit dem Operations-System der Firma für das Tracking der Herstellungsprozesse. Vor allem wenn man viele Personalwechsel hat, hilft es den Mitarbeitern, sich schnell in den anstehenden Aufgaben zurechtzufinden.

Enthalten sind auch Videos von den echten Maschinen, die einzelne Arbeitsschritte erklären. Erfahrene Mitarbeiter brauchen so etwas nicht, aber die neuen schon. Die Verbesserung und Standardisierung der Abläufe reduziert bei Alpla die Onboarding-Zeit neuer Mitarbeiter substanziell. Die Mitarbeiter finden es auch super, mit modernsten Technologien zu arbeiten. Sie sehen das nicht als Kontrollinstrument, sondern als Hilfe beim Job.

Alpla hat noch einen weiteren Schritt gemacht und will die Fabrik damit auch managen. Alle Alarme der gesamten Fabrik gehen zentralisiert in CrateOM. Das Ziel ist, alle Alarme der Maschinen – in einer Werkshalle ringelt und tingelt es dauernd – abzustellen. Auf Basis von Machine-Learning weiß man, welche davon wichtig sind und welche nicht. Diese Alarme, zum Beispiel bei einem Stau auf einer Produk­tionslinie, kommen dann als Task mit einer gewissen Priorität wie auf einer Checkliste auf das Handy, werden von einem Mitarbeiter angenommen und abgearbeitet. Eine massive Anzahl an Daten kommt da in Echtzeit rein. Wir sind da in der Control-Loop des Manufacturing. Innerhalb von drei Sekunden muss es im System verfügbar sein, damit es sofort abgearbeitet werden kann. Das wird dann abgehakt und geht sofort in die Error-Logs der Firma.

Das mit den Alarmen in Echtzeit ist nett, aber wir machen das auch predictive. Bei Dingen, die die Produktion betreffen, beziehen wir auch Sensordaten der Maschinen mit ein. Wenn sich also irgendwo ein Problem entwickelt, gibt es schon eine Warnung, bevor es dazu kommt und die Maschine einen Alarm gibt. Und das alles auf dem Endgerät, das der Mitarbeiter mit sich führt, und nicht auf einem Control-Panel irgendwo hinten im Eck. 

Gibt es schon Erfahrungen, welche Auswirkungen der Einsatz dieser App bei Alpla hat?
Die größten Kosten bei Alpla entstehen für den Kunststoff, aus dem sie Flaschen produzieren. Es gibt eine gewisse Range, wie viel Plastik vorrätig sein muss, und die meisten Hersteller fahren Midpoint, zur Sicherheit. Was Alpla jetzt tun kann, ist ganz unten in der Range zu fahren. Dadurch erreichen sie Ersparnisse bei den Rohmaterialien. Denn sofort, wenn der Trend in die falsche Richtung tendiert, können sie nach­justieren. Weil wir damit Teil der Control-Loop sind, muss das System hochverfügbar sein, 24/7. Das macht unsere App CrateOM. Es ist wirklich eine Smart-Factory-Applikation für den Arbeiter und um die Plants optimal zu managen. Der Erfolg ist erstens, dass neue Mitarbeiter schneller auf dem Laufenden sind, und zweitens, dass man weniger Ausschuss produziert und weniger Rohmaterialien braucht. Das sind substanzielle Punkte.

Da steckt einiges drinnen, wie es klingt. Machine-Learning für den Predictive-Teil, am Edge die Sensordaten der Maschinen, und wahrscheinlich läuft alles über die Cloud.
Es geht alles über die Cloud. Von den Maschinen sofort zu den Produktionssystemen der Alpla, von dort sofort zu uns und die Notification zum Arbeiter. Natürlich gibt es auch ein Webinterface, wo man alle Daten analysieren und Anpassungen vornehmen kann. In der Applikation selbst steckt kein Machine-Learning. Wir sind der Workflow, die Notifications, und wir sind sehr tief im User-Management. 

Wir gehen jetzt als Nächstes auch in den Bereich Maintenance mit der Möglichkeit, Maintenance-Tickets zu verschicken. Für die Analyse mittels Machine-Learning gehen wir Partnerschaften ein. Dafür gibt es schon viele Tools da draußen. Unsere Kompetenzen sind der Prozess, die User, die Notifications, die Alerts und die globale Visualisierung über alle Fabriken hinweg, um zum Beispiel Werke miteinander zu vergleichen. Darauf kann man mit Analytics und Machine-Learning aufsetzen um die Analysen noch zu verbessern.

Ist es das Ziel von Crate.io, seine Datenbank mit solchen ZusatzModulen aufzuwerten, oder war das mehr so etwas wie eine glückliche Fügung?
Nein. Es war zwar einmal die Core-Strategie, so eine Plattform zu schaffen, aber diese Strategie hat sich schon vor meiner Zeit geändert. Die Strategie der Firma ist, die Datenbank horizontal zu machen. Wir machen aber viele Embedded Deals, bei denen wir in solche Plattformen, Analytics- oder andere digitale Lösungen anderer Firmen eingebunden werden. 

Mein Ziel ist es nicht, mehr von solchen Lösungen selbst zu machen. Deswegen haben wir für CrateOM auch eine eigene Website, damit es nicht zu verwirrend wird. Wir machen diese Applikation, die auf unserer Datenbank aufbaut, fokussieren damit aber auf eine ganz andere Zielgruppe. Derzeit sind das Smart Factorys, und der Kunde ist der Head of Quality, der Plant-Manager oder der COO. Während für eine horizontale Datenbank Manufacturing nur eines von vielen Verticals ist. 

Was wir aber machen, ist eine Incubation-Initiative innerhalb der Firma. Wir haben ein separates R&D-, Product-Management- und Implementierungsteam, komplett ring-fenced. Aus einem Asset haben wir zwei gemacht, und das fahren wir duplizierend, aber unabhängig von­einander.

Das wäre ein Kandidat, um als ­Ausgründung auf eigenen Beinen zu stehen.
Es ist ein Kandidat dafür. Wir haben ein R&D-Team und ein Product-Management-Team aufgebaut, gerade bauen wir ein Implementation-Team auf, auch mit schon bestehenden Implementierungspartnern. Der nächste Entwicklungsmilestone wird die Edge werden, weil bei 180 Plants sind nie alle an einem Ort mit schnellem Internet. Bei einer langsamen Verbindung ist es schwer, die drei Sekunden einzuhalten. Auch die Anzahl der Daten, die man in die Cloud schickt, wird sehr teuer. 

Wir haben eine starke Roadmap, und es ist sonnenklar, wo wir damit überall hingehen könnten. Wenn der nächste Kunden zum Beispiel sagt, er hat Fabriken in Asien und braucht sofort Edge, dann wird natürlich das priorisiert – oder jede andere Anforderung des Kunden. Wir sind sowieso Open Source und Open System, alle unsere Schnittstellen sind standardisiert. Ich will priorisieren und mich in der Produktentwicklung auf den tatsächlichen Bedarf konzentrieren, damit die Kunden für ihr Environment genau das bekommen, was ihnen wichtig ist.

Warum heißt das Unternehmen eigentlich Crate.io, und was hat es mit dem Logo auf sich?
Das Logo ist eine geöffnete Schachtel. Die Idee war am Anfang, dass viele Daten in einen Crate, eine Kiste, kommen – so wie ein Daten-Store. Das war von Tag eins an so, und ist auch heute noch dasselbe. Viele Daten kommen in diesen Crate, und dann macht man etwas daraus.

Das klingt ein bisschen wie eine Blackbox, wie es bei künstlicher Intelligenz manchmal kritisiert wird.
Aber die Box ist ja offen (lacht).

Das ergibt natürlich Sinn. Würden Sie vielleicht zum Abschluss zusammenfassen, was Crate.io in Ihren Augen einzigartig macht?
Was uns sehr unique macht – außer natürlich das Produkt selbst – ist, dass wir eine amerikanische Firma mit einem europäischen Herzen sind und auch weiter auf unser „europäisches Flair“ und den Mix der Arbeitsstile setzen, den europäischen und den amerikanischen super-charging Hardcore-Stil. Das Zentrum ist in DACH und wird auch in DACH bleiben.

Das wollen Sie auch wirklich als Asset nutzen? Es heißt ja, wenn man in den USA groß werden will, muss man auch dort seinen Sitz haben.
Covid hat das verändert. Man muss nicht mehr in den USA sitzen. Vernetzt zu sein, hilft natürlich, und diese Vernetzung habe ich auch. Amerikanische Fonds investieren heute auch aggressiv in europäische Unternehmen. Es gibt hier viel Innovation, und wir haben starke USPs. (RNF)

INFO-BOX
Über Crate.io
Crate.io ist der Entwickler von CrateDB, der unternehmensgerechten Multi-Modell-Datenbank, die Dateneinblicke in großem Umfang ermöglicht. Die Fähigkeit von CrateDB, riesige Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen aufzunehmen und zu verwalten, ermöglicht es Unternehmen weltweit, Daten in Unternehmensnutzen zu verwandeln. Im November 2021 brachte Crate.io CrateOM auf den Markt, eine intelligente Lösung, die Gerätedaten in umsetzbare Erkenntnisse verwandelt.

Crate.io wurde 2013 gegründet und operiert weltweit mit Niederlassungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. Im Jahr 2021 wurde CrateDB mit dem IoT Evolution Industrial IoT Product of the Year Award ausgezeichnet. Zu den Kunden, die von Crate.io unterstützt werden, gehören Alpla, McAfee und Gantner.

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https://crateom.io/