Die Welt des Kaffees aus erster Hand.

NEW BUSINESS Bundeslandspecial - WIEN 2022
»Über 30 Millionen Euro fließen unter anderem in neue Technologien und Digitalisierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel digitale Bezahlsysteme und die Entwicklung einer App zur Optimierung unserer Logistik.« © café+co

café+co-Geschäftsführer Fritz Kaltenegger im Gespräch über das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte, gelebte Nachhaltigkeit, Kaffeeversorgung am Puls der Zeit u. v. m.

Wer kennt sie nicht? Ob im Büro, im Krankenhaus, in Ämtern oder Universitäten – die Automaten von café+co sind ein beliebter Treffpunkt und erste Anlaufstelle in Pausen oder Wartezeiten. Die NEW BUSINESS Redaktion verfolgt die erfolgreiche Entwicklung des Qualitäts- und Serviceleaders im Bereich Automaten-Catering und Kaffeeversorgung in Zentral- und Osteuropa seit vielen Jahren mit Begeisterung und hat es sich nicht nehmen lassen, Geschäftsführer Fritz Kaltenegger um ein virtuelles Update zu bitten.

Herr Kaltenegger, unser letztes Interview ist schon eine Weile her. Wie ist es Ihnen und café+co in den letzten Jahren ergangen?
Die wirtschaftliche Dynamik war gegen Ende des letzten Jahres gar nicht so schlecht. Das konnten wir auch bei unseren Zahlen beobachten. Das erste Quartal ist ganz gut gelaufen, dann kam die Coronawelle im Winter, gefolgt von der neuen Virusvariante Omikron.

Rückblickend hat uns die Coronakrise pro Jahr rund 80 Millionen Portionen – grob umgerechnet 40 Millionen Euro Umsatz – gekostet. Das tut schon weh. Mit Maßnahmen auf Lieferantenseite, Optimierungen im Betrieb sowie Kurzarbeit konnten wir den Verlust kostenseitig einigermaßen abfedern. Dank unseres stabilen Eigentümers und einer gesunden Eigenkapitalausstattung haben wir die Krise aus eigener Kraft insgesamt gut gemeistert.

Einige Projekte mussten wir coronabedingt allerdings verschieben, weswegen wir 2022 das mit Abstand größte Investitionsprogramm der gesamten Unternehmensgeschichte umsetzen werden. Über 30 Millionen Euro fließen unter anderem in neue Technologien und Digitalisierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel digitale Bezahlsysteme und die Entwicklung einer App zur Optimierung der Logistik.

Mit der Eskalation in der Ukraine haben wir allerdings überhaupt nicht gerechnet. Der Krieg und seine Auswirkungen stellen auch uns vor neue Herausforderungen. Außerdem sind wir mit dem aktuellen Mangel an Papier konfrontiert, da wir zunehmend Papierbecher im Einsatz haben. All diese Themen werden uns in nächster Zeit noch intensiv beschäftigen.

Wie hat sich die Krise auf Ihr „Daily Business“ ausgewirkt?
Da viele Entscheidungsträger im Homeoffice waren, haben wir natürlich den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden vermisst. Doch auch da haben wir unseren Modus angepasst. Denn so wie wir gerade via Videokonferenz verbunden sind, ist dies mittlerweile auch im Vertrieb gang und gäbe. Was virtuell allerdings nicht möglich ist, ist eine Verkostung. Darauf werden wir aber auch in Zukunft nicht verzichten, denn der Geschmack ist letztendlich das beste Argument für unsere Produkte.

Die Arbeitswelt ist bereits seit geraumer Zeit im Wandel. Welche Aspekte von „New Work“ haben Ihr Geschäft am stärksten beeinflusst?
Wir beobachten diesen Trend insbesondere in den Büroräumlichkeiten bereits seit einer Weile. Den Wandel der Arbeitswelt hat die Pandemie noch einmal verstärkt. Die Arbeitszeiten sind viel flexibler geworden. Die Zeit im Büro bzw. am Arbeitsplatz wird dadurch intensiver gelebt, v. a. was den Zusammenhalt der Teams angeht. Damit kommt auch der gemeinsamen Zeit beim Kaffee eine neue Bedeutung zu und der Anspruch an Geschmack und Qualität steigt.

Dies zeigt uns auch eine von uns im Vorjahr durchgeführte repräsentative Konsumentenanalyse. Dabei konnten wir sieben Kaffeetypen mit ihren Vorlieben und Motiven erkennen. Für Interessierte stellen wir übrigens ein sehr spannendes Whitepaper darüber zum kostenlosen Download unter www.mocca-manufaktur.at bereit.

Für unsere Kunden in Österreich gehen wir aktuell in die Qualitätsoffensive. Beispielsweise haben wir unsere Geräte mit einem sogenannten „Vakuum-Hopper“ ausgestattet. Damit wird dem Bohnenbehälter der Sauerstoff entzogen, um den Kaffee länger frisch zu halten und die Qualität des Espressos noch weiter zu steigern. Das mag nach einer vermeintlich kleinen Änderung klingen, aber die positiven Effekte auf Aroma und Geschmack sind gewaltig.

Was hat sich sonst noch in Ihrem ­Angebot getan?
Bei unseren Produktentwicklungen geht der Trend eindeutig in Richtung weniger Zucker, mehr Geschmack und mehr Flexibilität. Wir planen, unser Angebot öfter bzw. saisonal zu variieren, und testen laufend neue Geschmacksrichtungen, wie aktuell zum Beispiel „Toffee“ oder „Himbeere“ als Heißgetränk.

Auch was die Organisation der Kaffeeversorgung betrifft, streben wir nach mehr Flexibilität und haben ein Mietmodell entwickelt. Dabei stellen wir ein Gerät für eine monatliche Miete zur Verfügung. Dieses ist dann mit einer Telemetrie-Einheit ausgestattet, die uns laufend über den Zustand informiert. Sollte eine Störung vorliegen oder ein technisches Service notwendig sein, sind wir in der Lage, sehr rasch und flexibel zu reagieren. Der Kunde hat damit die Garantie, dass stets bester Kaffee zur Verfügung steht, und muss sich um das Handling keine Gedanken machen.

Sie haben vergangenes Jahr Ihr Portfolio um die „mocca manufaktur“ erweitert. Welches Konzept steckt dahinter?
Dabei handelt es sich um ein spezielles Angebot für KMU und Büros. Im Rahmen der „mocca manufaktur“ bietet café+co individuell konfigurierbare Kaffeemaschinen im Mietmodell, die exakt auf die Betriebsgröße angepasst werden. Der Kunde hat außerdem die Möglichkeit, verschiedene Produkte im Kaffeebereich auszuwählen. Zum Beispiel eine eher mildere oder kräftigere Röstmischung, mit oder ohne geschäumter Frischmilch aus Österreich, sowie Kakao- bzw. Spezialitätenmischungen zusätzlich zur Welt des Kaffees.

Der Name „mocca manufaktur“ rührt daher, dass sämtliche Kaffeesorten aus unserer eigenen Rösterei stammen, wo noch die Künste des Röstmeisters die Qualität des Endproduktes bestimmen. Und dies merkt man auch bei jedem Schluck Kaffee. 

café+co versorgt Unternehmen ja nicht nur mit Getränken sondern auch mit Speisen. Es gibt jedoch Menschen, die Snacks aus Automaten mit eher ungesunder Ernährung verbinden. Können Sie dieses Vorurteil entkräften?
Ja, das lässt sich sogar sehr leicht entkräften und zwar mit einem Blick auf unsere Frische-Produktion. Seit drei Jahren werden an unseren Standorten in Linz und Graz Weckerl, Sandwiches und dergleichen jeden Tag frisch zubereitet. Mittlerweile haben wir diese Versorgung auch auf Wien ausgedehnt.

Nach der Zubereitung um etwa 2 Uhr morgens wird die Ware noch vor Beginn der ersten Schicht in den Unternehmen in die Automaten eingefüllt und ist dann den ganzen Tag über frisch zu genießen. Als Zutaten kommen bei uns ausschließlich regionale Produkte zum Einsatz – sei es das Weckerl, der Schinken oder das Gemüse. Bei unseren Lieferanten ist uns außerdem wichtig, dass sie eine gewisse Vielfalt anbieten können. 

Was geschieht eigentlich mit der nicht verbrauchten Ware? 
Eines vorweg: Die frischen Snacks in unseren Automaten werden unter Schutzatmosphäre verpackt und sind daher bedenkenlos vier Tage genießbar und von guter Qualität. Alles was dennoch nicht konsumiert wurde, wird von unseren Befüllern abgeholt, wenn sie die frische Ware bringen. Der Kunde muss sich um nichts kümmern.

Vergangenes Jahr sind wir außerdem eine Kooperation mit dem jungen Unternehmen „Too good to go“ eingegangen. Dadurch schließt sich der Kreis im Sinne der Nachhaltigkeit auch am Ende eines Verkaufstages, indem Lebensmittel nicht weggeworfen werden, sondern via App-Verkauf zu einem vergünstigten Preis an den Konsumenten gelangen. Die Zusammenarbeit läuft nach wie vor sehr erfolgreich und beide Seiten sind höchst zufrieden.

Gott sei Dank haben wir aber eine sehr hohe Nachfrage und der Anteil nicht verbrauchter Ware ist eher gering. Bei uns am Standort ist es sogar so, dass man sich bereits mittags sputen muss, um noch etwas zu ergattern.

Nachhaltigkeit ist seit je her ein fixer Bestandteil Ihres Unternehmens. Welche Maßnahmen werden aktuell umgesetzt und haben Sie sich diesbezüglich weitere Ziele gesetzt?
Da gibt es sogar eine ganze Reihe. Angefangen bei unseren Bechern. Ab nächstem Jahr wollen wir zusätzlich 75 Millionen Becher von Kunststoff auf Papier umstellen. Wie eingangs erwähnt, bereiten uns die strapazierten Lieferketten diesbezüglich aber noch einiges an Kopfzerbrechen.

Ein weiterer Ansatz, den wir verfolgen und gerade testen, basiert auf der Induktionstechnologie, sprich dem Aufheizen der Geräte nur bei Bedarf. Die Zubereitung eines Heißgetränks geschieht damit on demand. Es ist also nicht mehr nötig, heißes Wasser in einem Boiler über lange Zeit zur Verfügung zu halten, was nicht nur den Stromverbrauch senkt, sondern letzten Endes auch die Energiekosten des Kunden.

Außerdem haben wir die Optimierung unserer Routenplanung initiiert, wobei wir uns von starren Routen auf Listenbasis verabschieden und diese stattdessen dynamisch gestalten. Damit sparen wir gefahrene Kilometer, reduzieren den Treibstoffverbrauch und verbessern unsere CO2-Bilanz.

Der Pilotbetrieb ist bereits letztes Jahr in Wien gestartet, seit Februar 2022 sind wir in der Bundeshauptstadt im Vollbetrieb. Anfang April wurde der Pilotbetrieb in der Steiermark aufgenommen. Wir gehen davon aus, dass die Erfahrungen dort ebenso positiv sein werden, daher planen wir, das Konzept ab Mai österreichweit auszurollen.

Welche Rolle spielt der Wirtschaftsstandort Wien für Ihr Unternehmen?
Nun, zuallererst ist die Ostregion mit Wien als Kern allein geschichtlich betrachtet unser wichtigster Markt. Außerdem haben viele Unternehmen ihre Headquarter in der Bundeshauptstadt angesiedelt, wo jene Entscheidungsträger sitzen, mit denen wir unsere geschäftlichen Vereinbarungen treffen.

Auch wir haben uns beim Sitz unserer Unternehmenszentrale ganz bewusst für Wien entschieden, um ein starkes Zeichen in den Wirtschaftsraum zu senden. Zudem eröffnet uns der halböffentliche Bereich, sprich die Wiener Universitäten und Spitäler, viele Möglichkeiten für gemeinsame Projekte. (BO)


INFO-BOX
So ticken Österreichs Kaffeeliebhaber
Im Zuge der Durchführung einer repräsentativen Konsumentenanalyse zur Nutzung von Selbstbedienungsautomaten im Alltag ist café+co unter anderem der Frage nachgegangen, ob es denn so etwas wie einen typischen Kaffeetrinker gibt. Die Antwort lautet „Ja“ – und zwar mal sieben! Die Ergebnisse der Marktstudie unterscheiden neben dem „Trendy Achiever“, der im stressigen Arbeitsalltag mit einem Kaffee auch gerne mal eine Mahlzeit ersetzt, auch den „Eco Enthusiast“, der seinen Kaffee am liebsten in Gesellschaft trinkt. Der „Brand Lover“ bleibt seiner Lieblings-Kaffeemarke treu und konsumiert Kaffee, um die Seele baumeln zu lassen. Wie der Name verrät, ist dem „Price Checker“ in erster Linie das Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig und für den „Quality Seeker“ stehen Geschmack und Qualität an oberster Stelle. Last but not least wurden der „Healthy Lifestyler“ als Zielgruppe, die den Kaffee nur ganz frisch und ohne Zucker genießt, und der „Coffee Junkie“, für den ein Arbeitstag ohne Kaffee undenkbar ist, in der Studie definiert. 
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