Der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger, der im Wesentlichen vom Rohstoff Ton oder Lehm aus der Natur lebt, will sich verstärkt dem Thema Nachhaltigkeit verschreiben. "Wir nehmen den Klimawandel ernst und wollen, dass unser Produktportfolio positiv dazu beiträgt, den CO2-Ausstoß nachhaltig zu reduzieren", betonte Konzernchef Heimo Scheuch am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz.

"Wir werden in unsere 200 Standorte investieren, um uns in der klimatechnischen Bilanz und Digitalisierung zu verbessern", erklärte der CEO. "Die Dekarbonisierung unseres Produktportfolios ist ein klarer Auftrag, den wir uns vorgenommen haben, in all unseren 30 Märkten." Wienerberger entnehme der Natur Energie, Wasser und Ton und führe ihr wieder etwas zurück, um die Artenvielfalt zu erhalten und die Renaturisierung von gewissen Landstrichen voranzutreiben. "Es ist wichtig, der Natur das wieder zurückzugeben." In Belgien läuft beispielsweise ein Projekt, bei dem eine Tongrube renaturiert und gefährdete Tierarten angesiedelt werden.

Neben der Dekarbonisierung des Produktportfolios stehen auch die Förderung der Kreislaufwirtschaft, also etwa die Wiederverwertung von Plastikrohren, sowie der Erhalt der Biodiversität unter dem Titel "Nachhaltigkeitsstrategie 2020" auf der Aufgabenliste. Wienerberger will hier "klare messbare Ziele bis 2023" für die gesamte Gruppe erarbeiten. Alle Produkte sollen entweder "wiederverwertbar oder vollständig recyclebar" sein. "Wenn man sich Ziele setzt wie diese, ist das eine fundamentale Umorientierung", sagte Scheuch. Der Anteil von Sekundärrohstoffen bei der Kunststoffrohrproduktion sei 2019 gegenüber dem Jahr davor bereits von 75 auf 85 Kilogramm pro Tonne erhöht worden.

Das bringt nicht nur der Umwelt etwas, sondern trägt auch zu Einsparungen im Konzern bei - etwa durch niedrigere Energiekosten. Der extrem hohe thermische Energieverbrauch beim Brennen der Ziegel soll durch technische Innovation spürbar sinken. Der weltgrößte Ziegelproduzent testet derzeit eine Hochtemperatur-Wärmepumpe, die Abwärme des Trockners in Energie für den Ofen umwandelt. Die Energieeffizienz soll dadurch um bis zu 80 Prozent steigen, die CO2-Emission im Gegenzug um bis zu 75 Prozent sinken.

Heuer fließen bei Wienerberger Investitionen in Höhe von 140 Mio. Euro in die Instandhaltung, Sicherheit und Modernisierung der Werke, 100 Mio. Euro in die Entwicklung neuer Produkte und 50 Mio. Euro in Firmenübernahmen (M&A). Innovationen machen den Angaben zufolge bereits 30 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt rund 3,5 Mrd. Euro aus. "Da bauen wir unsere eigene Zukunft", so Scheuch. Wienerberger beschäftigt weltweit über 17.000 Mitarbeiter.

Der Konzern treibt seit 2018 das sogenannte "Fast Forward 2020"-Programm voran, das inklusive heuer Einsparungen in Höhe von insgesamt 120 Mio. Euro einspielt - 20 Mio. Euro wurden im Zuge der "Effizienzsteigerungen" bereits im ersten Jahr realisiert, 50 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 und weitere 50 Millionen sollen 2020 folgen.

Parallel zu den genannten Umweltzielen setzt Wienerberger auf organisches Wachstum, innovative Produkte und verstärkte Digitalisierung, umriss der Konzernchef die Unternehmensstrategie. Die Wertschöpfung soll zunehmend weg von isolierten Produkten hin zu Gesamtlösungen für den Kunden vertieft werden. "Früher haben wir 'dumme Rohre' gemacht, heute machen wir intelligente Lösungen", so der CEO. Wasserrohre werden mittlerweile beispielsweise mit Sensoren und Zwischenspeichermöglichkeiten versehen. Wienerberger setzt unter anderem große Hoffnung in das Marktwachstum für Abwasser- und Bewässerungssysteme.

Der Konzern habe das Stadtleben in Wien in den vergangenen 200 Jahren ihres Bestehens geprägt, meinte Scheuch unter Verweis auf den Bau der Ringstraße. "Somit haben wir die Nachhaltigkeit und das Unternehmertum über 200 Jahre gelernt."

Im Jubiläumsjahr 2019 erhöhten sich die Verkaufserlöse gegenüber dem Jahr davor um 5 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um 51 Prozent von 239,8 Mio. auf 362,7 Mio. Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 249,1 Mio. Euro - um 87 Prozent mehr als 2018 (133,5 Mio. Euro).

Das Eigenkapital wuchs von 1,94 auf 2,08 Mrd. Euro, die Nettoverschuldung nahm von 631,6 auf 871,4 Mio. Euro um 38 Prozent zu. Die Eigenkapitalquote verschlechterte sich von 51,8 auf 50,3 Prozent, der Verschuldungsgrad von 32,6 auf 42 Prozent. 2020 will Wienerberger den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 610 auf 625 bis 645 Mio. Euro weiter steigern.

"2019 war das erfolgreichste Jahr in der 200-jährigen Geschichte der Wienerberger", resümierte Scheuch. Die Dividende soll nun von 50 auf 60 Cent je Aktie angehoben werden.

(APA)