In Wien sind 105 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betroffen © APA - Austria Presse Agentur

Die Sacher-Hotels kündigen per heute 140 Mitarbeiter. In Wien sind 105 Menschen betroffen, in Salzburg 35. Das sagte Matthias Winkler von den Sacher-Hotels am Rande eines Medientermins am Dienstag in Wien. Für den Rest der Belegschaft bleibe Kurzarbeit. "Wir wissen nicht ob wir sie überhaupt wie vorgesehen zu 30 Prozent beschäftigen können. Dramatischer kann eine Situation nicht sein", so Winkler.

Der Umsatz bei Sacher werde heuer nur bei 25 Prozent von zuletzt (Vorjahr: rund 100 Mio. Euro) liegen. Kommendes Jahr würden es "vielleicht 30 bis 35 Prozent" sein werden. "Die Situation ist dramatisch, bleibt dramatisch und ein Fixkostenzuschuss ist für uns notwendig und nicht nur einzige Brücke, um über diesen Fluss mit reißendem Gegenwind zu kommen."

Der Busunternehmer Paul Blaguss sprach bei dem Treffen mit dem Vertreter der EU-Kommission in Wien, Martin Selmayr, Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) davon, dass die ganze Branche in Wien in einem Normaljahr 120.000 Busrundfahrten veranstalte. Sein Unternehmen mache normalerweise 50.000 - "heuer werden es nicht einmal 500 sein".

Susanne Baumann-Söllner vom Austria Center Vienna (ACV) erläuterte bezogen auf alle bei Kongressen involvierten Firmen, dass die Vorlaufzeit für solche Veranstaltungen üblicherweise drei bis fünf Jahre dauere. Derzeit gebe es aber keine Anfragen für neue Kongresse und man sehe auch, dass auch Verschiebungen von Kongressen im nächsten Jahr beginnen würden. "Man kann ja nicht einfach zudrehen und sagen der Caterer kocht nicht mehr. Es ist wichtig, allen involvierten Unternehmen zu helfen, damit die über die schwierige Zeit kommen."

"Die gesamte Tourismuswirtschaft ist von der Pandemie zum Teil existenzbedrohend betroffen", argumentierte Köstinger. "Die Prognosen sagen, dass es Monate wenn nicht Jahre dauern wird, bis sich der Tourismus vollkommen erholt haben wird." Dazu kämen "sehr besorgniserregende" Infektionszahlen. "Wir wollen unserer Verantwortung (gegenüber der Wirtschaft, Anm.) nachkommen und bitten um ein Entgegenkommen der EU", appellierte Köstinger.

Blümel und einige Unternehmer stören auch eine von Selmayr angesprochene Deckelung des Fixkostenzuschusses bei 800.000 Euro. Selmayr sagte, für Unternehmen, die sich in einer Situation wie in einem Lockdown befänden, sei die Deckelung nicht vorgesehen. Man müsse es nur richtig beantragen. Selmayr gab auch allen Unternehmer-Argumenten recht, diese seien schlüssig, ihnen stünden Hilfen zu. "Es ist nicht so, dass die Kommission blockiert. Wir sind auf Ihrer Seite. Es muss nur ordentlich gearbeitet werden", sagte der EU-Vertreter.

"Haarsträubend" seien diese Argumente sagte Köstinger zu "Martin", also Selmayr. "Wir erwarten uns von der EU-Kommission maximales Entgegenkommen auch für kleine Unternehmen, rasche und unbürokratische Hilfe", spielte sie auf Milliardenhilfen für Große an. "Wir haben das Paragraphenreiten satt."

Das Setting stieß bei einigen Journalisten, die dem Gespräch direkt beiwohnten, durchaus auf Erstaunen, auch Selmayr betonte mehrmals, man verhandle nicht, sondern tausche sich aus - "hier sind Medienvertreter anwesend". Blümel und Köstinger bildeten als breite Front den Kopf des viele Meter langen Tisches. Daran aufgefädelt saßen - mit Corona-Abstand - die Unternehmer und erst gegenüber am anderen Ende Selmayr von der EU-Kommission - irgendwie allein auf weiter Flur.

Dass die Stimmung zwischen Blümel und Selmayr nicht die beste ist, zeigte sich mehrmals. Selmayr störte sich zwischendurch daran, dass er erst als letzter an die Reihe kommen sollte. "Da habe ich meine Zweifel", sagte er im Gesprächsverlauf einmal auf Blümels Ausführung, wonach man sich "seit 5. August um eine Lösung bemüht". "Vielen Dank fürs kommen", machte Blümel die Verabschiedung kurz.