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Mehr als 250 Teilnehmenden vor Ort und über 500 Online-Aufrufe aus insgesamt 41 Ländern machten das #IDSF22 zu einem vollen Erfolg. © Katharina Schiffl

Die zweite Ausgabe des International Digital Security Forum (IDSF) lud internationale Akteure der digitalen Sicherheitslandschaft zum Dialog nach Wien.

Vom 31. Mai bis 2. Juni 2022 wurde der kulturelle Hotspot Wien auch zur internationalen Bühne für digitale Sicherheitsthemen. Organisiert vom AIT Austrian Institute of Technology in Partnerschaft mit der ARGE Sicherheit und Wirtschaft (ASW) der Wirtschaftskammer Österreich, bot die #IDSF22 ein dreitägiges Programm mit über 100 renommierten Speaker:innen aus dem internationalen Feld. Mit mehr als 250 Teilnehmenden vor Ort und über 500 Online-Aufrufen aus insgesamt 41 Ländern führte das 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie virtuell initiierte Konferenzformat heuer in hybrider Form mit starker physischer Komponente unter dem Motto „Secure Digitalization for a Safe, Green and Sustainable Future” dessen Erfolgsgeschichte fort. Insgesamt 15 Sessions und 10 Keynotes im Hauptprogramm und mit parallelem „Social Science Track“ am zweiten Konferenztag verdeutlichten dabei die enorme Bandbreite von Forschung & Entwicklung im Zusammenspiel mit politischer Gestaltung der digitalen Sicherheit. 

Im kulturellen Ambiente des Wiener Museumsquartiers trafen sich führende Wissenschaftler:innen mit hochrangigen Verantwortlichen aus der Politik, leitenden Vertreter:innen internationaler Organisationen (u.a. der Vereinten Nationen, der OSCE und der IAEA), der Europäischen Union (EAD, EU-Kommission, EP) und Think Tanks (GLOBSEC, IPCS, Demos, CNRS), Manager:innen aus der Industrie sowie engagierte Akteur:innen der Zivilgesellschaft, um über Chancen und Potenziale der Digitalisierung sowie über aktuelle Herausforderungen technologischer und gesellschaftlicher Art zu diskutieren und über künftige Kooperationen nachzudenken. Parallel wurde das gesamte Programm des ISDF ins Internet gestreamt und erlaubte so einer weltweiten in die Thematik involvierten Community, sich in die Wiener Konferenz einzubringen.

Helmut Leopold, Head of AIT Center for Digital Safety & Security und Initiator des IDSF: „Neben der Suche nach Innovationen und Vorteilen der umfassenden Digitalisierung und globalen Vernetzung müssen wir uns auch unbedingt und intensiv mit den immer weiter um sich greifenden Problembereichen der Digitalisierung auseinandersetzen. Es geht darum, unsere Technologien nachhaltig zu beherrschen. Ein globaler nachhaltiger Dialog zwischen Forschung, Industrie und Behörden ist eine notwendige Grundlage, um die Digitalisierung so zu gestalten, dass diese auch unseren Zielen und Werten entspricht.

Hochkarätige Eröffnung durch österreichische Politik und Botschafter:innen
Nach einer Videobotschaft von Bundeskanzler Karl Nehammer stimmten Florian Tursky, Staatssekretär für Digitalisierung im Bundesministerium für Finanzen, die Botschafter:innen Faouzia Mebarki (Algerien/UN), Tadeusz Chomicki (Polen/OSCE) und Rasa Ostrauskaite (EU) sowie Erich Albrechtowitz, Ministerialrat im Bundeskanzleramt und Raffi Gregorian, Deputy to the Under-Secretary-General and Director, United Nations Office of Counter-Terrorism (UNOCT), mit aktuellen politischen Reflexionen zum Stand der Digitalisierung und dem Status Quo bei Cybersecurity die Besucher:innen auf das aus holistischer Sicherheitsperspektive und in internationaler Ausrichtung konzipierte Programm ein. Alle Vortragenden betonten dabei einhellig den wichtigen Dialog zwischen Forschung, Industrie und Behörden und bedankten sich bei den Organisatoren der IDSF.

Tag 1: „Countering Malicious Activities in Cyber-Space”
Wir wissen, was wir am Internet nicht mögen und welche Konstruktionsfehler es hat: Kriminalität, Ideologisierung und Demokratiefeindlichkeit. Mit diesen Ausführungen und eindrucksvollen Lösungsansätzen eröffnete Alex Krasodomski-Jones von CSAM/Demos in London dessen Keynote „What does Good look like?“ Feindseelige Aktivitäten im Cyber-Space gehören heute in ihrer Massenhaftigkeit und Vielschichtigkeit zu den größten Herausforderungen demokratischer, rechtsstaatlicher Gesellschaften. Davon betroffen sind die Zivilgesellschaft ebenso wie die Wirtschaft und die Institutionen des Staates. Nach einer einführenden Videobotschaft des österreichischen Bundesministers für Inneres Gerhard Karner, setzte sich der erste Tag des ISDF22 daher in vier Diskussionsrunden (Sessions) mit den wichtigsten Spielarten digitaler Bedrohungen auseinander: Der Terrorismusabwehr durch den Einsatz digitaler Technologien unter Berücksichtigung der ethischen Herausforderungen; der kriminellen Nutzung von Kryptowährungen in Verbindung mit Ransomware; mit Szenarien der Strafverfolgung im globalen, digitalen Zeitalter; und im Kontext von Fake News mit der Rolle und Verantwortlichkeit von Regierungen im postfaktischen Zeitalter.

Tag 2: Protecting Digital National and International Critical Infrastructure
Als kritische Infrastrukturen gelten alle jene (Versorgungs-)Einrichtungen, die für das Funktionieren eines Staates oder Gemeinwesens unverzichtbar sind. Alle kritischen Infrastrukturen weisen heute einen extrem hohen Digitalisierungsgrad auf und sind daher einer nahezu industriell betriebenen Bedrohung aus dem Netz ausgesetzt. Der mittlere Tag erörterte daher in 6 weiteren Sessions einerseits das Energie-Paradigma, das im Kontext des durch die Digitalisierung verursachten Energieaufwands und der daher notwendigen sicheren und nachhaltigen Energiebewirtschaftung vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise nicht hoch genug eingeschätzt  werden kann; die Bedeutung der Sicherheitsforschung und -entwicklung als essenzielle Komponente einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft; die Entwicklung und Erhaltung einer leistungsfähigen Workforce, um die Digitalisierung in allen Bereichen erfolgreich zu bewältigen; die Supply Chain Security im Sinne der Adressierung von Cyber-Verletzlichkeiten und wechselseitiger Abhängigkeiten; sowie als Abschluss des Tages die Frage der Balance zwischen Data Sharing (Datenteilung) und Data Sovereignty (Datensouveränität).

Tag 2 wartete auch mit drei besonderen Keynotes auf: Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in Berlin brachte in ihrer Keynote „Digitalisation: A Driver for Sustainable Economic Development in Europe“ eine hochwichtige Frage aufs Tapet: Den Abbau von Rohstoffen für die Digitalisierung. Dabei gelte es einerseits die bestehenden Abhängigkeiten zu China zu reduzieren und andererseits angesichts der Rohstoffknappheit, Strategien und Wege zu Recycling und einer Circle Economy zu finden und in diese Technologien zu investieren. Nach einer Keynote von Lorena Boix Alonso, Director für Digital Society, Trust and Cybersecurity im Directorate General CNECT der Europäischen Kommission, die online zugeschaltet war, und über den aktuellen Stand der Europäischen Strategie für Digitalisierung und Cybersicherheit referiert, diskutierte Francesca Musiani vom Centre Internet et Société am CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Paris in ihrer Keynote „Can Digital Sovereignty be infrastructured?“ die Frage, ob der Staat sich wieder stärker der digitalen Infrastruktur als territorialer Komponente ermächtigen muss, zeigte aber gleichzeitig die Risiken einer möglichen geopolitischen Fragmentierung des Internets auf.

Understanding the Challenges of Digital Societies
Am zweiten Tag des Forums gab es gegenüber der Erstauflage im Dezember 2020 ein Novum: Parallel zum Programm auf der Main Stage wurde ein Social Science Track durch das von Reinhard Kreissl geleitete Vienna Centre for Societal Security (VICESSE) konzipiert und abgehalten. Mit diesem parallelen Programm wurden vor allem die gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen der digitalen Gesellschaft beleuchtet. Die vier Diskussionsrunden des Tracks reflektierten die Stakeholder-Vielfalt in der digitalen Arena, die soziale Dimension digitaler Gesellschaften, das erforderliche Risikomanagement sowie die Auseinandersetzung mit emergenter künstlicher Intelligenz.

Zwei herausragende Keynotes – zum Beginn des Programms sowie zur Einleitung des Nachmittags stießen hier auf großes Interesse. Am Morgen erläuterte Dominika Hajdu, Policy Director am Centre for Democracy & Resilience beim internationalen Think Tank GLOBSEC in Bratislava ihre Einschätzungen zum Schutz digitalisierter Demokratien: Regulierung, Limitierung des Einflusses demokratiefeindlicher Drittstaaten und gezieltes Vorgehen gegen Akteure, die Rechtsstaatlichkeiten unterwandern. Prof. Michael Latzer, Professor für Communication und Media Research am IKMZ der Universität Zürich stellte sein innovatives Betrachtungsmodell der digitalen Dreifaltigkeit im Sinne eines ko-evolutionären Zusammenspiels der Datafizierung aller Lebensbereiche, der Algorithmisierung von Auswahlprozessen und der Plattformisierung von Märkten vor.

Tag 3: Security and International Relations
Digitale Security hat immer eine internationale Dimension und ist für ihr Funktionieren in höchstem Maße auf die Kooperation aller involvierten Stakeholder angewiesen. Der dritte und abschließende Tag des IDSF22 stellte diese Grundregel sowohl in Bezug auf die Themenwahl der Sessions als auch in Hinblick auf die in die Diskussion einbezogenen Akteure aus dem zivilen wie auch militärischen Bereich eindrucksvoll unter Beweis.

Nach der Tageseröffnung durch die österreichische Bundesministerin für Landesverteidigung Claudia Tanner mittels Videobotschaft gab Masood Karimipour, Chief of the Terrorism Prevention Branch (TPB) im UN Office on Drugs and Crime (UNODC) einen Ausblick auf weitere Schritte der internationalen digitalen Kooperation (Multistakeholderism). Danach strich u.a. Brigadier-General Friedrich Teichmann vom Österreichischen Bundesheer die Bedeutung von Satellitendiensten als kritische Infrastruktur hervor und betonte unsere heutige Abhängigkeit von diesen. Die weiteren Diskussionsrunden setzten sich u.a. mit der Erhöhung der nuklearen Sicherheit vor dem Hintergrund rasanter technologischer Fortschritte auseinander und unterstrichen gleichzeitig die hohe Vulnerabilität dieser Anlagen (Beispiel Ukraine-Krieg). Auch diskutiert wurde die Frage, ob ein kollektives, globales Cyber-Security-System im Hinblick auf die heutige geopolitische Weltlage überhaupt möglich erscheint, sowie über den Stand der Dinge rund um die Entwicklung einer Verantwortlichen Künstlichen Intelligenz, die auf ethischen Prinzipien, Regulativen und Gesetzen beruht.

Der Abschluss des ISDF22 widmete sich, auf Initiative des Außenministeriums, dem Einsatz digitaler Technologien für Friedensmissionen und zivile Konfliktprävention im globalen Kontext. Den Anfang bildete das Thema „Smart Missions“, verstanden als künftige Prozessoptimierung bei zivilen Friedensmissionen im Sinne einer bestmöglichen Nachhaltigkeit durch das Zusammenspiel aus geschultem Personal sowie dem Einsatz digitaler Tools und Vernetzungstechnologien. Daran anschließend wurde die darauf aufbauende mittelfristige Nutzung von PeaceTech (Technologien, Medien, Daten) erörtert, mit dem Potential einen entscheidenden Beitrag zur Verhinderung und zur positiven Transformation gewaltförmiger Konflikte zu leisten und friedensbildende Maßnahmen, um einen Quantensprung zu verbessern. 

Das IDSF22 endete mit einer abschließenden Rede von Lukas Mandl, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Vizepräsident des Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung, der live aus Brüssel zugeschaltet war und die Bedeutung des Sicherheitsthemas für die rasant voranschreitende Digitalisierung unterstrich: „Die Sicherheit der Europäer zu stärken bedeutet, mehr zu investieren, um zu unserer Autonomie beizutragen. Sicherheit bedeutet, dass wir die freie Welt vereinen und weltweit zu Menschenwürde und Freiheit beitragen müssen.“

Begleitende Ausstellung innovativer Unternehmen
Begleitet wurde das IDSF an allen drei Tagen von einer Ausstellung innovativer österreichischer KMU sowie weltweit tätiger Unternehmen aus dem Digitalbereich. Teil der Ausstellung waren u.a. ARGE Sicherheit und Wirtschaft (ASW) der Wirtschaftskammer Österreich, KSÖ Kompetenzzentrum Sicheres Österreich, Verbund, IKARUS Security Software, X-Net Services, K-Businesscom AG (vormals Kapsch BusinessCom AG), Cybertrap, Lieber.Group mit ThreatGet, msg Plaut Austria, Softprom, fragmentiX, W&H Dentalwerk, Donau-Universität Krems, SBA Research, DFV Digital Factory Vorarlberg, FH Salzburg, Silkroad 4.0, Vienna Cyber Security and Privacy Research Cluster (VISP), sowie Wirtschaftsagentur Wien. 

Das IDSF wurde darüber hinaus von A1, Huawei, msg Plaut Austria, Verbund, World Institute for Nuclear Security (WINS) sowie von der DigitalCity.Wien Initiative, der Wirtschaftsagentur Wien in Zusammenarbeit mit der ViennaUp Initiative unterstützt und im Rahmen des Vienna Meeting Fund durch das Vienna Convention Bureau gefördert.

Breite nationale und internationale Unterstützung
Unterstützt wurde das IDSF22 durch das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, das Bundesministerium für Inneres, das Bundesministerium für Landesverteidigung, das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus – verantwortlich für das österreichische Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS – sowie auch in Kooperation mit nationalen Partnerorganisationen wie dem KSÖ Kompetenzzentrum Sicheres Österreich und der Cyber Sicherheit Plattform Austria (CSP). Besonders bereichert wurde das IDSF22 durch die Unterstützung globaler Organisationen wie dem United Nations Office of Counter-Terrorism, der International Atomic Energy Agency (IAEA), sowie dem World Institute for Nuclear Security (WINS).
 
IDSF ist zertifiziertes Green Event
Im Einklang mit dem Motto der Konferenz "Secure digitalisation for a safe, green and sustainable future" wurde die gesamte Konferenz nach dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Events organisiert und durch zahlreiche Maßnahmen, von der Auswahl regionaler Lieferanten bis hin zur Ressourcenschonung am Veranstaltungsort so nachhaltig wie möglich gestaltet.

On Demand Content 
Die spannenden Keynotes und Diskussionen sowie ausgewählte Präsentationen werden in den kommenden Tagen zur Nachschau auf der IDSF-Website unter www.idsf.io für registrierte User:innen zur Verfügung gestellt. Interessante fotografische Eindrücke sind bereits jetzt unter folgendem Link abrufbar: https://idsf.io/idsf-2022/impressions/ (red.)

https://idsf.io/