Hoch hinaus: Semperit knackt Milliardenschwelle.

NEW BUSINESS Bundeslandspecial - WIEN 2022
Konzernumsatz stieg im Jahr 2021 um 27,4% auf 1.182,2 Mio. Euro © Adobe Stock/frank peters

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnte die Semperit-Gruppe 2021 neuerlich ein Rekordergebnis erzielen. Der Ausblick für 2022 liegt dafür wesentlich unter den Markterwartungen.

Steigende Inflation, Lieferkettenengpässe und fortlaufende Coronapandemie – in diesem Umfeld gilt es für Wirtschaftsunternehmen, am Ball zu bleiben und zu performen. Der Semperit-Gruppe gelang im vergangenen Geschäftsjahr sogar ein Rekordergebnis trotz dieser schwierigen Situation.

„Wenngleich die dramatischen Entwicklungen rund um den Russland-Ukraine-Krieg die Freude über unseren Unternehmenserfolg im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr naturgemäß trüben, ist dies eine herausragende Leistung, für die wir zuallererst unseren Mitarbeitern danken“, kommentiert Petra Preining, CFO der Semperit AG Holding, die Zahlen.

COO Kristian Brok erklärt den Erfolg so: „Dank der vorausschauenden, hochflexiblen Kollaboration zwischen einzelnen Unternehmensbereichen gelingt es uns mit immer größerer Routine, die mannigfaltigen Herausforderungen im Zusammenhang mit Rohmaterialverfügbarkeit, Lieferketten, Preislandschaft und Kostenanstiegen erfolgreich zu managen.“ 

Semperit konnte die mit den genannten Themen verknüpften Risiken im Berichtsjahr 2021 frühzeitig mitigieren und somit potenziell negative Einflüsse proaktiv hintanhalten: „Dies schafft grundsätzlich eine solide Ausgangsbasis für den Umgang mit den zu erwartenden Effekten des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sowie den damit in Verbindung stehenden Sanktionen und Beschränkungen, die im laufenden Geschäftsjahr eine erhebliche Belastung für europäische Unternehmen darstellen werden“, so CEO Karl Haider, der seine Funktion mit Anfang dieses Jahres übernommen hat.

Bereits am 9. März 2022 wies Semperit in einer Ad-hoc–Mitteilung darauf hin, dass die Entwicklungen rund um die Russland-Ukraine-Eskalation voraussichtlich einen negativen Effekt auf das erwartete Unternehmensergebnis 2022 haben werden. Auch Branchenverbände warnen mittlerweile vor rohstoffmangelbedingten Produktionseinschränkungen in der Kautschukindustrie.

Kräftiges Umsatzwachstum in beiden Sektoren
Ungeachtet des bereits im Vorjahr schwierigen Umfelds konnte die Semperit-Gruppe 2021 auf Konzernebene eine Umsatzsteigerung von 27,4 % auf 1.182,2 Mio. Euro erzielen. Dieser Rekordwert wurde durch deutliche Umsatzzuwächse in beiden Sektoren erreicht: Der Sektor Industrie erzielte ein Wachstum von 16,2 % auf 556,1 Mio. Euro; beim Sektor Medizin schlugen plus 39,4 % auf 626,1 Mio. Euro zu Buche.

Der Umsatzanstieg im Sektor Industrie war insbesondere durch höhere Absatz-mengen in den Segmenten Semperflex (+20,4 %) und Semperseal (+23,7 %) getrieben, die den Rückgang der Absatzmengen im Segment Sempertrans in Summe mehr als kompensierten. Hingegen waren die Absatzmengen im Sektor Medizin aufgrund der beschränkten Verfügbarkeit von Containern rückläufig (−25,7 % bei Untersuchungs- und Schutzhandschuhen).

Weiters war die Produktion in Malaysia aufgrund regulatorischer Vorgaben durch die Enhanced Movement Control Order (EMCO) im Sommer 2021 vorübergehend eingeschränkt. Die nach wie vor signifikant höheren Verkaufspreise für Untersuchungshandschuhe aufgrund der Sonderkonjunktur im Lichte der Coronapandemie konnten diese Effekte jedoch mehr als aufwiegen.

Ausgezeichnetes operatives ­Ergebnis trotz hoher Inflation
Die kräftigen Umsatzzuwächse führten auch zu einer spürbaren Verbesserung im operativen Ergebnis – und dies trotz inflationärer Preisentwicklungen für Rohstoffe, Energie und Logistik. Das EBITDA konnte von 208,6 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2020 auf 361,8 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2021 um 73,5 % verbessert werden. Die EBITDA-Marge lag bei 30,6 % (Geschäftsjahr 2020: 22,5 %).

Auch das Konzern-EBIT stieg auf 315,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2021, nach 237,8 Mio. Euro im Jahr davor. Gegenüber dem um die Wertaufholung im Segment Sempermed und die Wertminderung im Segment Sempertrans bereinigten EBIT im Geschäftsjahr 2020 (171,4 Mio. Euro) konnte das EBIT im Geschäftsjahr 2021 um signifikante 83,8 % gesteigert werden. Die EBIT-Marge der Semperit-Gruppe stieg von 25,6 % (bereinigt 18,5 %) im Geschäftsjahr 2020 auf aktuell 26,6 %.

Die zahlungswirksamen Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen lagen im Geschäftsjahr 2021 mit 47,9 Mio. Euro über dem Vorjahresniveau von 26,4 Mio. Euro. Der Fokus liegt in Zukunft zunehmend bei wachstumsorientierten Investitionen.

M&A ergänzt organisches Wachstum
Im Geschäftsjahr 2021 betrug der Free Cashflow insgesamt 241,2 Mio. Euro gegenüber 176,2 Mio. Euro im Vorjahr. Damit ist die Semperit-Gruppe einerseits auch in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld gut aufgestellt und für die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine solide gerüstet. Andererseits verfügt Semperit dank dieser starken finanziellen Basis über erweiterte Wachstumsoptionen. M&A-Aktivitäten stehen nach wie vor im Fokus. Da der Markt derzeit aber schwierig ist, beschäftigt sich Semperit zusehends auch mit organischen Wachstumsmöglichkeiten.

Angesichts des sehr erfolgreichen Geschäftsjahrs 2021 hat der Vorstand der Semperit-Gruppe der Hauptversammlung eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie vorschlagen – der Vorschlag wurde angenommen. In Summe gelangen damit 30,9 Mio. Euro zur Ausschüttung. Bei einem Aktienkurs von 29,30 Euro per Jahresende 2021 errechnet sich eine Dividendenrendite von 5,1 % (2020: 6,2 %).

Ein Blick auf 2022
Ab dem zweiten Halbjahr 2021 schlugen sich die anhaltenden Effekte der Corona­pandemie beim Preis von Medizinprodukten zwar immer noch positiv nieder, die Tendenz ist jedoch deutlich nach-gebend, weshalb mit einer Normalisierung des Preisniveaus im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2022 gerechnet wird. Das Ergebnis der Semperit-Gruppe wird weiters signifikant von der Verfügbarkeit erforderlicher Roh- und Hilfsstoffe und von deren Preisen bzw. von den funktionierenden Lieferketten beeinflusst werden.

Weitere wesentliche Einflussfaktoren sind eine hinreichende Containerverfügbarkeit zur Auslieferung der Erzeugnisse der Semperit-Gruppe sowie die Verfügbarkeit qualifizierten Personals. Hinzu kommt die nach wie vor schwierige Kalkulierbarkeit der Effekte im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Coronapandemie – insbesondere aufgrund der regional stark abweichenden Tendenzen und deren Einfluss auf die internationalen Produktionsstandorte.

Drohende Auswirkungen des ­Russland-Ukraine-Konflikts
Durch den Beginn eines russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine entwickelte sich der Russland-Ukraine-Konflikt ab Ende Februar 2022 zu einer neuen wirtschaftlichen und geopolitischen Bedrohung. Die bereits beobachtbaren Konsequenzen dieses bewaffneten Konflikts sind – in begrenztem Umfang – direkte und indirekte negative Einflüsse auf die Absatz- und Umsatzzahlen der Semperit-Gruppe, drohende Materialengpässe, Energie- und Rohstoffpreissteigerungen, Transport- und Lieferkettenprobleme, Veränderungen in der Zinslandschaft, gestiegene Inflationserwartungen sowie ein gestiegenes Risiko für Cyberangriffe auf Unternehmen.

Materialengpässe bei wesentlichen Roh- und Hilfsstoffen zur Herstellung vulkanisierter Kautschukprodukte können im Jahr 2022 zu Friktionen in der Produktion und in der Folge zu Lieferverzögerungen und -einschränkungen führen. Aufwandsseitig werden jedenfalls Mehraufwendungen für Roh- und Hilfsstoffe, Vor- und Zwischenprodukte sowie für Energie- und Transportaufwendungen erwartet.

Zusätzlich wird die aktuelle Situation zusehends kosten­treibend auf Löhne und Gehälter wirken. Die Möglichkeiten zur Preisweitergabe werden von der Preissensitivität der jeweiligen Kunden und den Dynamiken auf den segmentspezifischen Produktmärkten abhängen. Zinsseitig ist die Semperit-Gruppe abgesichert, da sämtliche noch ausstehenden Schuldscheindarlehen über eine fixe Verzinsung verfügen.

Das Management der Semperit-Gruppe agiert umsichtig und hat die Evaluierung entsprechender proaktiver Maßnahmen zur Mitigation dieser Entwicklungen frühzeitig eingeleitet. Erste Maßnahmenpakete, insbesondere im Bereich der Materialwirtschaft sind bereits erfolgreich in Umsetzung. Die aktuellen geopolitischen und marktbezogenen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt werden ebenso genau beobachtet wie deren Auswirkungen auf Investitionsgütermärkte sowie auf den Markt für Unternehmensübernahmen.

Unwägbarkeiten für industrielle ­Produktion
Vor dem Hintergrund eines erwartungsgemäß abklingenden Verlaufs der Coronapandemie mit fallenden durchschnittlichen Verkaufspreisen für Medizinprodukte und drohenden Material­engpässen, Lieferkettenproblemen und starken Steigerungen der Inputfaktorpreise in der Industrieproduktion er-wartet das Management erneut ein Jahr, das von großen Herausforderungen für den Transformationsprozess der Semperit-Gruppe geprägt sein wird.

Insbesondere aufgrund des Russland-Ukraine-Konflikts und der damit im Zusammenhang stehenden Sanktionsmaßnahmen und Unwägbarkeiten für die industrielle Produktion erwartet das Management der Semperit-Gruppe, dass das Jahresergebnis 2022, gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen voraussichtlich wesentlich unter den durchschnittlichen Markterwartungen (Anfang März bei 100-120 Mio. Euro) liegen wird. Die genauen finanziellen Auswirkungen auf das erwartete Jahresergebnis der Semperit-Gruppe sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2021 noch nicht abschätzbar.

Trennung von Medizingeschäft
Die Semperit-Gruppe hat Ende Jänner 2020 im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung das Ziel der Transformation zum Industriegummi-Spezialisten und die in diesem Zusammenhang beschlossene Trennung vom Medizingeschäft bekanntgegeben. Obgleich dieser Schritt zwischenzeitlich im Lichte der Coronavirus-Pandemie aufgeschoben worden war, wird der eingeschlagene Transformationskurs auch von dem mittlerweile neu zusammengesetzten Vorstand der Semperit-Gruppe im Geschäftsjahr 2022 konsequent weiterverfolgt werden.

Maßnahmen zur Erhöhung der Profitabilität stehen dabei unverändert weit oben auf der Agenda des Vorstands. Strategische Projekte in der Unternehmensentwicklung haben die klare Zielsetzung, organisch sowie anorganisch zu wachsen.

Die wachstumsorientierte Investitionstätigkeit und eine darauf abgestimmte Dividendenpolitik ist insbesondere durch die in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 realisierten sonderkonjunkturellen Erträge des Segments Sempermed möglich. (VM)


INFO-BOX
Sechs neue Produktionslinien im ­malaysischen Handschuhwerk 
21 Mio. Euro hat die Semperit-Gruppe seit Herbst 2020 in die Errichtung sechs zusätzlicher Tauchanlagen („P7+“) für die Handschuhproduktion in der malaysischen Niederlassung in Kamunting investiert. Ende April wurden die neuen Produktionslinien mit einem Ausstoß von 1,8 Mrd. Stück pro Jahr von CEO Karl Haider und COO Kristian Brok im Beisein des Chief Ministers von Perak und des österreichischen Botschafters eröffnet.

Der modernste Werkskomplex am Standort Kamunting, genannt P7, verfügt somit nun über 18 Produktionslinien mit einer Zielkapazität von insgesamt 5,4 Mrd. Stück Handschuhen; 12 Produktionslinien waren in einer ersten Investitionsphase zwischen 2015 und 2017 errichtet worden.

„Da es sich bei P7+ um halbautomatische Linien handelt, liegt der Personaleinsatz unter jenem in anderen Werksteilen. Auch die Gesamtanlageneffektivität ist hervorragend und der Gasverbrauch geringer als in den anderen Bereichen unseres malaysischen Standorts“, ergänzt COO Kristian Brok. Dank größerer Flexibilität können in der malaysischen Semperit-Produktion künftig neue Handschuhtypen in Farben wie kobaltblau und schwarz hergestellt werden.