Die Produktion in Österreich wirkt sich positiv auf das weltweite Klima aus: Aufgrund von Technologie, Effizienz und des Energiemix fallen global deutlich weniger Treibhausgasemissionen an als bei einer Erzeugung in anderen Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Industrielle Ökologie, die am Dienstag in der Wirtschaftskammer präsentiert wurde.

Die Wirtschaftskammervertreter forderten, dass es keine weiteren Belastungen aus dem Titel Klimaschutz für die noch verbliebene Industrie geben dürfe und ein Forcieren der Produktion in Österreich. Wichtig sei es, dass die Industrie in Österreich bleibe. Es müsse weltweite CO2-Preise geben. Industrievertreter lehnen eine CO2-Steuer nicht grundsätzlich ab, sie dürfe aber nicht obendrauf kommen, sondern anstelle anderer Maßnahmen. Kritisiert werden die EU-Pläne zur Ausweitung des Emissionshandels.

In der Studie "climApro" wurden drei Szenarien untersucht. Werden im Rahmen einer Reintegration Zwischenprodukte wieder in Österreich erzeugt und nicht importiert, können pro Tonne an dann zusätzlich in Österreich anfallenden Treibhausgas-Emissionen weltweit 1,9 Tonnen eingespart werden. Der Wertzuwachs in Österreich liege bei rund 830 Mio. Euro, so Andreas Mörk, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Dienstag in einer Pressekonferenz.

Im sogenannten "Vertiefungsszenario" werden Zwischenprodukte in Österreich vermehrt zu Endprodukten weiterverarbeitet und nicht mehr exportiert. Hier stehen einer Tonne Mehremissionen in Österreich global gesehen Einsparungen von 1,24 Tonnen gegenüber. Der Wertzuwachs wäre 920 Mio. Euro. Im dritten Szenario wird von Verlagerungen von Produktionsstätten ins Ausland ausgegangen: In diesem Fall würde eine Tonne an Treibhausgasemission in Österreich eingespart, der globale Anstieg würde aber 1,9 Tonnen betragen. Der Wertverlust in Österreich wird in diesem Fall mit rund 830 Mio. Euro beziffert, darin noch nicht berücksichtigt sind weitere negative Auswirkungen wie sinkende Beschäftigung oder rückläufige Steuereinnahmen.

Gefordert werde, dass es angesichts von Technologie-und Energieeffizienzeinsatz und vor allem mit einem Energiemix aus nachhaltigen Energieträgern zu keinen weiteren Belastungen mehr in Österreich komme, so Mörk. Der Umweltsprecher der WKÖ-Bundessparte Industrie, Robert Schmid, rief angesichts der Studienergebnisse dazu auf, die Herstellung von Industrieprodukten in Österreich zu forcieren. Sehr viele Sparten der österreichischen Industrie seien in den letzten Jahren ins Ausland abgewandert, wie etwa die Glasindustrie oder die Mineralwolleindustrie. Diese Betriebe könnten wohl nicht mehr zurückgeholt werden, die Industriebetriebe die noch im Land sind, sollte man aber in Österreich behalten. Die sauberste Energie sei die nicht verbrauchte Energie, das würde aber Konsumeinschränkungen bedeuten und sei Illusion. Daher sollte die zweitbeste Variante forciert werden, diese laute "made in Austria".

Industrie- und Energieunternehmen sind in Europa dem Emissionshandelssystem unterworfen. Stefan Schwarzer, Leiter der Umweltpolitischen Abteilung der WKÖ, kritisierte heute Pläne, dieses zu verschärfen. Beim Emissionshandel sei in den letzten Jahren so etwas wie eine Schubumkehr passiert. Ziel seien eigentlich Investitionen in klimafreundliche Technologien, hier habe die österreichische Industrie sehr viel getan, andere Betriebe in Europa hätten ihre Hausaufgaben noch nicht in diesem Ausmaß gemacht und könnten leichter CO2 einsparen. Der CO2-Preis habe sich innerhalb kürzestes Zeit von 5 auf 25 Euro verfünffacht, bei höheren erforderlichen Mengen an Zukäufen würde sich auch die Dosis dieses Medikaments erhöhen. Dann würden die Nebenwirkungen - das Abwandern - überwiegen, warnte Schwarzer.

Die europäische Politik plane, die CO2-Preise auf 50, 60 oder 100 Euro je Tonne zu erhöhen. Das vertrage sich aber nicht mit der Industrie, die dann ihre Produktion verlagern könnte. Zur geplanten Ausweitung auf andere Sektoren forderte Schwarzer ein eigenes System für die Industrie und eine Preis-Obergrenze.

In Österreich lukriere der Staat derzeit rund 120 Mio. Euro aus dem Emissionshandel. Diese Einnahmen sollten zurückgeführt werden und damit den Weg für Investitionen in den Technologiewechsel freimachen. In anderen westeuropäischen Ländern sei dies bereits der Fall. Ein Wettbewerbsnachteil sei auch die Verteuerung des Stroms durch die Klimapolitik. Wichtig sei eine weltweite CO2-Bepreisung, betonte Schwarzer. Der Anteil der EU an den klimaschädlichen Emissionen sinke, während andere Länder wie China steigende Anteile aufwiesen.

Schmid kritisierte den Emissionshandel, etwa wegen der Schwankungen. Er lehnt eine CO2-Steuer grundsätzlich nicht ab. Einer der ganz wichtigen Faktoren für die Industrie sei die langfristige Planbarkeit. Aus seiner Sicht sei unter Umständen eine klare, einkalkulierbare und planbare CO2-Steuer anstatt anderer Instrumente "durchaus andenkbar". Schwierig sei die Kumulierung, wenn die Steuer auf vielen Stufen erhoben werde, dann habe man sie mehrmals bezahlt.

(APA)