Banko soll ein tragfähiges Konzept vorlegen, fordert die Gewerkschaft © APA - Austria Presse Agentur

Die deutsche Gewerkschaft Verdi fordert nach der vollständigen Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof durch die Signa-Gruppe des österreichischen Investors Rene Benko ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Warenhausriesen. "Wir haben den Sachverhalt zur Kenntnis genommen", sagte der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel der Gewerkschaft, Orhan Akman, am Dienstag mit Blick auf die Übernahme.

Die Gewerkschaft erwartet nun "die richtigen Entscheidungen für ein überzeugendes Zukunftskonzept, das diesen Namen auch verdient." Zudem hat Verdi die Mitarbeiter von Karstadt und Kaufhof in München für Mittwoch zum Streik aufgerufen. Die Beschäftigten fordern von Karstadt Tariferhöhungen ab 2021 nach Auslaufen des sogenannten Zukunftstarifvertrags, die von Kaufhof die Rückkehr zum Flächentarifvertrag.

Nur Tariflöhne könnten die Angestellten im Handel vor Altersarmut schützen, erklärte die Gewerkschaft. Zuvor hatten auch schon die Beschäftigten in anderen Städten wie Würzburg, Kassel oder Hamburg die Arbeit niedergelegt. Die Angestellten der wirtschaftlich angeschlagenen Kaufhausketten hatten Lohnsenkungen akzeptiert, damit die Firmen sich sanieren können.

Signa hat den Kaufhausriesen unter alleinige Kontrolle gebracht. Benkos Holding übernehme den Anteil von 49,99 Prozent an Galeria Karstadt Kaufhof und die verbliebenen Immobilien-Anteile der Warenhäuser für rund eine Milliarde Euro vom kanadischen Warenhauskonzern HBC, hatten beide Unternehmen am Montag erklärt. Die Transaktion soll bis zum Herbst abgeschlossen werden.

Ende November 2018 hatten Signa und HBC den Zusammenschluss der Einzelhandelsaktivitäten von HBC Europe und der Karstadt Warenhaus GmbH vollzogen. Dadurch entstand ein Warenhauskonzern mit 243 Innenstadt-Standorten in Europa mit einem Umsatz von rund 5 Mrd. Euro und rund 32.000 Mitarbeitern.

Der Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, Stephan Fanderl, hat Kaufhof bereits eine Rosskur verordnet. Rund 2.600 Vollzeitstellen sollen dort gestrichen werden, hatte er im Jänner angekündigt - ebenso wie den Abschied aus der Tarifbindung. Da es in den Kaufhof-Warenhäusern viele Teilzeitkräfte gibt, liegt die Gesamtzahl der bedrohten Arbeitsplätze deutlich höher. Fanderl hatte angekündigt, die Sanierung nach dem Abschied von HBC entschieden fortführen zu wollen: "Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher – das ist wichtig und richtig." Der Warenhaus-Konzern kämpft mit dem erbitterten Wettbewerb durch Online-Händler von Amazon bis Zalando und der Konkurrenz durch Modeketten.

In Österreich hatte Signa Mitte 2018 die strauchelnde Möbelhauskette Kika/Leiner übernommen. Im Print-Sektor überraschte Benko Ende 2018 mit seinem indirekten Einstieg bei "Kronen Zeitung" und "Kurier". Seine Signa Holding übernahm 49 Prozent der WAZ Ausland Holding GmbH, über die die deutsche Funke-Gruppe 50 Prozent an der "Krone" und fast die Hälfte am "Kurier" hält.