Tesla mit 104 Mio. Dollar Überschuss © APA - Austria Presse Agentur

Tesla trotzt der Coronakrise: Der Elektroauto-Pionier hat dank Kostensenkungen und relativ stabilen Umsätzen zum vierten Quartal in Folge einen Quartalsgewinn erwirtschaftet und damit eine wichtige Hürde zum Einzug in den S&P-500-Index der wichtigsten börsennotierten US-Unternehmen genommen. Unter dem Strich stand von April bis Juni ein Gewinn von 104 Millionen Dollar (89,83 Millionen Euro).

Der Umsatz fiel zwar auf 6,04 von 6,35 Milliarden Dollar, Analysten hatten aber wegen der Coronakrise mit einem weit stärkeren Einbruch gerechnet. Trotz eines sechswöchigen Produktionsstopps in seinem Werk in Kalifornien lieferte Tesla im zweiten Quartal gut 90.000 Fahrzeuge aus und will 2020 auf einen Absatz von mehr als einer halben Million kommen. Das Ziel sei aber nun schwer erreichbar, räumte das Unternehmen ein.

Tesla hat mit seiner strikt auf Elektroantriebe und Innovation getrimmten Firmenkultur eine neue Ära in der Autoindustrie eingeläutet, was auch Investoren goutieren. Traditionskonzerne wie Daimler, der im zweiten Quartel einen Verlust von knapp zwei Milliarden Euro einfuhr, können nur neidisch auf den Tesla-Aktienkurs schauen: Der hat sich seit Jahresbeginn vervierfacht, während der Kurs der Daimler-Aktien um 14 Prozent fiel.

Experten zweifeln, ob der Erfolg des Pioniers nachhaltig ist. Tesla profitierte im zweiten Quartal von Ausgleichszahlungen, die andere Autobauer dafür zahlen, dass ihre Autos mehr Emissionen verursachen: Die Erlöse daraus stiegen um 21 Prozent auf 428 Millionen Dollar. Zudem profitierte Tesla von vorübergehenden Lohnkürzungen während des Produktionsstopps.

Doch Tesla ist weiter auf Expansionskurs: Gründer und Vorstandschef Elon Musk kündigte an, ein neues Werk in Texas zu bauen und nicht in Oklahoma. In der Nähe der texanischen Hauptstadt Austin, am Colorado River, sollen mehr als 5.000 Arbeitsplätze entstehen. "Das wird ein Öko-Paradies... und für die Öffentlichkeit zugänglich", schwärmte der exzentrische Firmenchef. Die beiden US-Bundesstaaten hatten Tesla mit Steuervergünstigungen und Zuschüssen gelockt. Musk vertröstete den Verlierer Tusla: Die Stadt in Oklahoma komme für einen späteren Ausbau der Produktion infrage. Zum Bau der neuen Fabrik bei Berlin erklärte Tesla, das Projekt mache Fortschritte.

Vier Quartale mit schwarzen Zahlen sind eine Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen in den S&P-500-Index aufgenommen wird. Vom Börsenwert von fast 300 Milliarden Dollar her wäre Teslas längst ein Kandidat dafür. 95 Prozent der Werte in dem Index sind kleiner. Über die Aufnahme entscheidet aber ein Ausschuss, eine Zeitvorgabe dafür gibt es nicht. Die Index-Mitgliedschaft dürfte den Aktienwert noch einmal steigern, weil sich Indexfonds eindecken müssten. Am Mittwoch stieg das Papier nachbörslich um 4,4 Prozent. Die Kursrallye hat Musk einen Anspruch auf einen Geldsegen von 2,1 Milliarden Dollar beschert. Der 49-jährige Manager bezieht kein Festgehalt.

Musk betonte bei der Präsentation der neuesten Zahlen, dass der Elektroauto-Bauer weiterhin Wachstum über schnelle Gewinne stellen werde. Elektroautos müssten billiger werden. "Was mich am meisten stört, ist, dass unsere Autos nicht erschwinglicher sind. Das müssen wir hinkriegen." Das Model 3, das meistverkaufte Tesla-Modell, kostet in den USA mindestens 37.990 Dollar.

Sorgen macht sich Musk um den Nachschub an Batteriezellen. Er appellierte an Bergbaukonzerne, mehr Nickel zu fördern. Das Metall ist einer der wichtigsten Bestandteile von Batterien. "Tesla wird euch einen riesigen Vertrag für einen langen Zeitraum geben, wenn ihr Nickel effizient und umweltfreundlich fördert", sagte Musk. Tesla werde das Geschäft mit Panasonic und der chinesischen CATL ausbauen.