Der Einbruch durch die Coronakrise ist enorm © APA - Austria Presse Agentur

Die Coronapandemie wirft die deutsche Wirtschaft laut den führenden Forschungsinstituten um Jahre zurück. Diese treffe die Konjunktur härter als noch im Frühjahr angenommen, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Herbstgutachten der Institute um das Kieler IfW. Die Wirtschaftsleistung wird in ihrer Vorhersage dieses Jahr mit 5,4 Prozent fast so stark einbrechen, wie in der Finanzkrise 2009 mit damals 5,7 Prozent.

Für die Aufholjagd braucht es wohl einen langen Atem: Das vor Ausbruch der Pandemie erreichte Niveau wird voraussichtlich erst Ende 2021 erreicht. Und erst ein Jahr später dürfte die deutsche Wirtschaft dann wieder normal ausgelastet sein. "Mit dem Aufholen des Einbruchs sind die Krisenfolgen keineswegs ausgestanden", warnte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

Die maximal mögliche Leistung des Konjunkturmotors dürfte demnach mittelfristig gut ein Prozent niedriger sein, als es Vorkrisenschätzungen ergaben. Im nächsten Jahr soll dieser aber zumindest auf Touren kommen und die Wirtschaft dann um 4,7 Prozent anziehen. "Ein Gutteil des Einbruchs aus dem Frühjahr ist zwar schon aufgeholt, aber der verbleibende Aufholprozess stellt die mühsamere Wegstrecke zurück zur Normalität dar", warnte der Kieler Forscher Kooths. Wirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich optimistisch, dass nächstes Jahr ein kräftiger Aufschwung zu erwarten sei: "Dies alles steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Corona-Infektionszahlen nicht unkontrolliert ausbreiten und ein zweiter Lockdown verhindert wird."

Finanzminister Olaf Scholz strich die positiven Aspekte des Gutachtens heraus, das der Regierung als Basis für ihre eigenen Projektionen dient. "Wir hören gute Nachrichten von den Wirtschaftsforschern", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Konjunktur erhole sich schneller. Die Maßnahmen zur Stabilisierung und Belebung der Wirtschaft entfalteten sich gewissermaßen "mit dem erhofften Wumms", sagte der SPD-Kanzlerkandidat mit Blick auf das im Juni beschlossene Konjunkturpaket - das größte seit Bestehen der deutschen Bundesrepublik.

Die Gutachter vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie deren Kollegen vom Berliner DIW, dem Münchner Ifo-Institut, dem IWH Halle und dem Essener RWI halten die Corona-Hilfen jedoch nur teilweise für passend. Es sei fragwürdig, ob das Konjunkturpaket notwendig gewesen und zweckmäßig sei. Vor allem die auf das zweite Halbjahr befristete Mehrwertsteuersenkung wird als zu pauschal kritisiert und daher als ungeeignet.