Die Corona-Pandemie hat die Arbeiterkammer (AK) vor allem in ihrer Beratungstätigkeit gefordert. Im ersten Halbjahr 2020 stieg die Zahl der Beratungen um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Jede vierte der bundesweit rund 250.000 Anfragen betraf das Thema Reisen, Flüge, Unterkünfte oder Veranstaltungen, wie die AK-Expertin für Konsumentenschutz, Gabriele Zgubic am Donnerstag in Wien mitteilte. Das ist viermal mehr als noch im ersten Halbjahr 2019.

Hier gehe es insbesondere um die Rückerstattung von Flugtickets, die trotz der Bekenntnisse einiger Fluglinien "nur sehr zögerlich" erfolge, so Zgubic. Gutscheine oder Umbuchungen könnten, müssten aber nicht akzeptiert werden. Auch die Verrechnung von Bearbeitungsgebühren seitens Reisebüros für eine Umbuchung oder Stornierung sei "unzulässig", erklärte die Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik in der AK Wien. Dazu sei auch eine Klage anhängig.

Veranstaltungen wie etwa Konzerte seien ebenso ein "großes Thema". Die AK führe etwa eine Klage gegen mehrtägige Festivals, denn die Lösung des Veranstalters, für jeden Festivaltag einen eigenen Gutschein auszustellen anstatt für nur einen Tag und den Rest des Ticketpreises bar zu refundieren, sei gesetzlich nicht gedeckt, erklärte Zgubic. Das Urteil werde in den kommenden Wochen erwartet.

Aber auch der Bereich Dienstleistungen bereitet der Arbeiterkammer Sorge. Anfragen dazu stiegen im ersten Halbjahr um 16 Prozent (über 25.000), oftmals drehten sich diese um geschlossene Fitnessstudios und den Mitgliedsbeitrag.

Beratungen zum Komplex Banken und Versicherungen stiegen um neun Prozent an (über 33.000 Anfragen). Die größten Probleme gebe es bei Storno- und Rechtsschutzversicherungen, weil diese bei Pandemien einen Versicherungsschutz oft ausschließen würden. Eine spürbare Zunahme verzeichnete die AK auch bei Cybercrime und Online-Banking, also bei Phishing-Attacken.

Derzeit sind 80 Musterprozesse anhängig, zudem gibt es nach Angaben der AK 35 bis 40 Verbandsklagen und Abmahnungen, ein Großteil davon habe Corona-Bezug. Die Zahl der Anfragen liege auch nach dem Sommer "auf einem hohen Niveau", sagte Zgubic. "Die Arbeit geht uns sicher nicht aus."

Die Coronakrise habe Lücken im Konsumentenschutz aufgezeigt. So müssten etwa die Rechte von Kunden im Falle von Airline-Insolvenzen mit Hilfe einer Insolvenzversicherung gestärkt werden, bekräftigte die AK-Expertin eine langjährige Forderung von Konsumentenschützern in ganz Europa. Ansonsten würden die Konsumenten bei Pleiten "durch die Finger schauen", so Zgubic mit Blick auf die Billigfluglinie Level. Auch müsse man sich Gedanken darüber machen, ob Vorauszahlungen bei Buchungen nicht eingeschränkt werden sollten.

Weiters sollten Inkassokosten eingedämmt werden. Die Regeln müssten nachgeschärft werden, da vor allem bei kleineren Beträgen die Inkassokosten die Ursprungskosten oft überschreiten würden, betonte Zgubic. Und auch die Zinsen bei Kontoüberziehung seien "extrem hoch". Sie sollten nach Ansicht der AK bei maximal fünf Prozent - das entspreche in etwa einem Konsumkredit - liegen.

(APA)